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Kreisstadt Bergheim - Civic Innovation Platform

„KI kann bei uns ein Arbeitsplatzgenerator sein!“

Die Kreisstadt Bergheim nimmt die Digitalisierung entschlossen in die Hand: Anwendungen, die auf KI basieren, sollen eingesetzt werden, um Verwaltungsabläufe für Bürger*innen zu verbessern und der Region im Strukturwandel zu helfen.

Gleich neben Bergheim klafft ein gigantisches Loch. Der Braunkohle-Tagebau Hambach liegt am Rande der Kreisstadt, er war lange Jobmotor für die Region. Heute kämpft die Stadt in Nordrhein-Westfalen mit den Auswirkungen einer sterbenden Industrie. Doch Bergheim nimmt die Zukunft fest in den Blick und ist offen für die digitale Transformation. Trotz Corona-Krise ist Tempo angesagt: Bergheims Stadtverwaltung braucht dringend neue Informatiker*innen, um die vielen Ideen zu Anwendungen Künstlicher Intelligenz umzusetzen.

Die beiden Digitalisierer*innen vom Dienst, Carina Steinert und Kevin Clemens, bilden im Rathaus eine Stabsstelle für alles rund um die Digitalisierung und haben jetzt schon alle Hände voll zu tun. Auf ihrer Agenda: Breitbandausbau, 5G, Smart City. Clemens, ein ausgebildeter Fachinformatiker, zieht sich gelegentlich auch die Arbeitsschuhe an und schaut auf Baustellen nach, wie es beim Glasfaserausbau vorangeht.

Bergheim will „KI zum Anfassen“ gestalten

Im Bergheimer Rathaus gibt es viele Ideen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, um Abläufe und Service zu optimieren: Mit ihr könnte die Ampelsteuerung und das Parkleitsystem verbessert werden. KI-basierte Anwendungen könnten Sachbearbeiter*innen als erste Kontrollstufe bei Anträgen unterstützen oder bei Steuererklärungen, Bau- und Elterngeldanträgen fehlende Informationen frühzeitig identifizieren. Doch die Unterstützung durch die Technologie ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.

Während Clemens die Glasfaser mit Händen fassen kann, muss Kollegin Steinert viel erklären. „Wenn ich Mitarbeiter*innen im Einwohnermeldeamt sage, dass KI-Anwendungen sie bei vielen Tätigkeiten unterstützen können, ist das für sie gar nicht greifbar.“ Deshalb sucht Bergheim nach anschaulichen Feldern, in denen KI schnell erfahrbar wird – auch, um Vorbehalten zu begegnen. „Wir arbeiten dabei von Anfang an gegen Befürchtungen“, erzählt Steinert. „In Bergheim wird KI die Mitarbeiter*innen immer unterstützen, sie kann und wird keinen Menschen ersetzen.“

Weniger Bürokratie steigert das Gemeinwohl

Die Technologie und ihre Anwendung kann nicht nur Prozesse im Interesse der Allgemeinheit beschleunigen. Zudem entstehen durch sie neue Arbeitsplätze für Menschen, die die Systeme bauen, reparieren und verbessern. „Ich glaube, KI kann bei uns sogar ein Arbeitsplatzgenerator sein“, sagt Steinert.

Was Bergheim fehlt, ist das nötige Risikokapital. Steinert sagt: „Wenn ich zum Kämmerer gehe und sage: ‚Ich möchte 100.000 Euro, um Anwendungsfelder für KI zu finden und auszuprobieren‘, dann wird er mir keine Mittel bewilligen.“ Für Experimente mit offenem Ausgang fehlt das Geld – nicht nur, aber auch, weil die Stadt mitten im Strukturwandel heraus aus der Kohleindustrie steckt.

Bergheim digitalisiert sich seit vielen Jahren

Die Stadt versucht, den Wandel als Antrieb zu begreifen und stellt mit Geld aus dem Digitalpakt neue IT-Fachleute ein. „Wir haben auch nach Beginn der Corona-Zeit noch Stellen ausgeschrieben“, erzählt Birgit Ritz, Abteilungsleiterin für Organisation und IT. Sie versucht, auch diese Krise als Chance zu begreifen: Wegen wirtschaftlicher Probleme einiger Unternehmen kamen zuletzt Informatiker*innen auf den Arbeitsmarkt. Denen kann die Abteilungsleiterin zwar keine Spitzengehälter bieten, dafür aber gute Rahmenbedingungen. Ritz sagt lachend: „Wer hier keine goldenen Löffel klaut, hat einen sicheren Arbeitsplatz. Und wir handeln durchaus kreativ.“

Dass Bergheim nicht bei null anfängt, unterstreichen die Fakten: Schon seit 2010 läuft die IT der Kreisstadt zentralisiert über das Rechenzentrum der Kommunalen Datenverarbeitungszentrale (KDVZ) in Frechen. Städte und Gemeinden aus drei Kreisen bündeln dort ihre Server. Die KDVZ ist somit die Cloud in der Nachbarschaft. „Die Kolleginnen und Kollegen sind sehr innovativ und stellen uns für Projekte ihre Arbeitskraft zur Verfügung“, sagt Ritz.

Cloud-Arbeit und digitale Akten sind schon Alltag

Die Stadt Bergheim ist längst fast papierlos. „Wir haben in unserer Abteilung vielleicht noch fünf Papierordner“, berichtet Steinert. Die Kombination aus zentraler IT und digitalen Akten ermöglichen der Verwaltung, flexibel von überall zu arbeiten, wo es Internet gibt. Der Arbeitsplatz ist schließlich virtuell und die meisten Informationen sind über die Cloud verfügbar.

All diese Maßnahmen, vorangetrieben vom damaligen Digitalchef Theo Kratz, haben das Rathaus schon stark in Richtung digitale Zukunft gebracht. Es sieht also nicht so aus, als ob Bergheim ins Kohle-Loch fallen würde.

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Kreisstadt Bergheim

Rund 65.000 Bewohner*innen hat Bergheim, die Kreisstadt des Rhein-Erft-Kreises in Nordrhein-Westfalen. In der Region westlich von Köln prägt das Rheinische Braunkohlerevier die Landschaft, die Gesellschaft und auch die Wirtschaft. Angesichts des beschlossenen Kohleausstiegs befinden sich Bergheim und benachbarte Kommunen mittendrin im Strukturwandel. Der Prozess wird über die Zukunftsagentur Rheinisches Reviergesteuert.

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Mitarbeiter*innen der Stadt Bergheim